Studie · Strategie & Wettbewerb

ELAB2040: Wertschöpfung und Beschäftigung in der Automobilindustrie

Fraunhofer IAO · Juli 2026 · Antriebsstrang Europa, Asien, Nordamerika · Kurzstudie, 26 Seiten

Szenario-Analyse des Fraunhofer IAO zu Wertschöpfung und Beschäftigung in der europäischen Antriebsstrang-Produktion bis 2040, im Auftrag der Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände. Vier Regulierungs-Szenarien, ergänzt um Partial-Szenarien zu Innovationskraft und Standortfaktoren.

Kernzahl 726.000 Antriebsstrang-Stellen in Europa bis 2040

Kernaussagen

  1. 90 bis 95 Mrd. Euro Verlust in drei von vier SzenarienDie geltende EU-Gesetzgebung, der abgeschwächte Kommissionsvorschlag und eine technologieoffene Regulierung führen bis 2040 zu nahezu identischen Wertschöpfungsverlusten im Antriebsstrang. Technologieoffenheit verlangsamt den Abfall, verhindert ihn aber nicht: Szenario 3 erreicht dasselbe Niveau erst 2040 statt 2035. Nur Szenario 4, das dem globalen Marktverlauf folgt, bleibt mit rund 60 Mrd. Euro (-24%) deutlich darunter.
  2. Europas Absatzanteil sinkt von 24% auf 18%Die Studie zerlegt den Rückgang in zwei überlagerte Effekte. Der erste ist strukturell und von der Antriebstechnologie unabhängig: Europas Anteil am Fahrzeugabsatz in Europa, Asien und Nordamerika fällt bis 2040 von rund 24% auf rund 18%. Der zweite ist die Kompensationslücke, denn die neue Wertschöpfung bei elektrifizierten Modulen (+18 bis +21 Mrd. Euro) deckt die Verluste im Verbrenner-Bereich (-81 bis -120 Mrd. Euro) bei weitem nicht.
  3. Standortpolitik wirkt 5-fach stärker als InnovationsförderungIm Partial-Szenario »Selektive Entlastung & Konsolidierung« (Energiepreise, Genehmigungsdauern, Arbeitsmarktflexibilität) steigt die Wertschöpfung bis 2035 um bis zu 200 Mrd. Euro und der Personalbedarf um rund 640.000 Stellen (+40%). Reine Innovationsförderung erreicht davon etwa ein Fünftel. Die Studie knüpft diesen Effekt ausdrücklich daran, dass Unternehmen die gewonnenen Freiheitsgrade auch in Produktivität übersetzen.
  4. Deutschland -64% Wertschöpfung, Zulieferer -80%Deutschland verliert im strengsten Szenario rund 54,2 Mrd. Euro Wertschöpfung im Antriebsstrang und damit überproportional zum europäischen Durchschnitt. Der größere Teil entfällt auf die Zulieferer: rund 35 Mrd. Euro oder -80%. Für Zulieferer mit hohem Verbrenner-Anteil ist das keine Margenfrage, sondern eine Frage der Geschäftsgrundlage.
  5. 375.000 Stellen bis 2030, 660.000 bis 2035Der Personalbedarf im europäischen Antriebsstrang sinkt bereits bis 2030 um rund 375.000 Stellen (-23%) und bis 2035 um rund 660.000 (-41%). Von den 726.000 Stellen des Zieljahres 2040 fallen damit über neun Zehntel bis 2035 weg. Wer seine Transformation am Zieljahr 2040 ausrichtet, plant am eigentlichen Ereignis vorbei.

Inhalt im Überblick

8 Kapitel anzeigen
  • Motivation und Zielstellung
  • Methodisches Vorgehen und Berechnungsmodell
  • Überblick über die vier Basis-Szenarien
  • Wertschöpfung in Europa sowie in Asien und Nordamerika
  • Wertschöpfungsverteilung und -veränderung in Europa
  • Entwicklung der Beschäftigung in Europa
  • Partial-Szenario Produktivitäts- und Innovationsstärke
  • Partial-Szenario staatliche Rahmenbedingungen

Primärquelle

Zur Studie →frei zugänglich

Diese Seite fasst zusammen und ordnet ein. Sie ersetzt nicht die Originalquelle.

Eckdaten

Herausgeber
Fraunhofer IAO
Publiziert
Juli 2026
Studientyp
Prognose & Szenarien
Thema
Strategie & Wettbewerb
Region
Europa
Methode
Szenario-Modellierung über 54 Wertschöpfungsmodule des Antriebsstrangs für Europa, Asien und Nordamerika. Vier Basis-Szenarien der EU-Flottenregulierung plus Partial-Szenarien zu Innovationskraft und Standortfaktoren, gestützt auf Experteninterviews aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Betrachtet wird ausschließlich die produktionsbezogene Wertschöpfung im Antriebsstrang, ohne Forschung und Entwicklung und ohne Zentralfunktionen.
Stand
Zusammenfassung aktualisiert am 2. August 2026
Zitieren
Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO: ELAB2040: Wertschöpfung und Beschäftigung in der Automobilindustrie. Juli 2026. https://publica.fraunhofer.de/entities/publication/11dfe8d3-d6ea-4b98-92d4-2032050c2d91
Mein Take
Die ganze Debatte dreht sich um das Verbrenner-Aus. Die Studie sagt: Die Regulierung entscheidet das Tempo, nicht das Ziel. 3 von 4 Szenarien landen 2040 bei denselben 90 bis 95 Mrd. Euro Verlust. Wir streiten über den falschen Hebel.
Philipp Raasch
Philipp RaaschGründer · Der Autopreneur

Häufige Fragen zur Studie

Wie viele Arbeitsplätze stehen in Europas Antriebsstrang-Produktion auf dem Spiel?

Im strengsten Szenario der ELAB2040-Studie des Fraunhofer IAO entfallen bis 2040 rund 726.000 von rund 1,6 Mio. Stellen in der europäischen Antriebsstrang-Produktion, ein Minus von 45% gegenüber 2025. Der Großteil davon fällt bereits bis 2035 weg (rund 660.000 Stellen).

Rettet ein Aufweichen des Verbrenner-Aus die Arbeitsplätze?

Nach der ELAB2040-Studie nicht. Die geltende EU-Regulierung, der Kommissionsvorschlag mit 90% CO2-Reduktion und eine technologieoffene Variante enden bis 2040 alle bei 90 bis 95 Mrd. Euro Wertschöpfungsverlust. Technologieoffenheit verschiebt den Zeitpunkt, an dem dieses Niveau erreicht wird, von 2035 auf 2040.

Welche Maßnahmen wirken am stärksten gegen den Wertschöpfungsverlust?

Die Studie beziffert Standortfaktoren als den stärksten Hebel. Verbesserte Energiepreise, kürzere Genehmigungsverfahren und flexiblere Arbeitsmarktregeln bringen bis 2035 bis zu 200 Mrd. Euro zusätzliche Wertschöpfung und rund 640.000 Stellen, etwa das Fünffache reiner Innovationsförderung. Voraussetzung ist laut Fraunhofer IAO, dass Unternehmen die Vorteile konsequent in Produktivität umsetzen.

Wie stark trifft es deutsche Zulieferer?

Deutschland verliert laut ELAB2040 im strengsten Szenario rund 54,2 Mrd. Euro Wertschöpfung im Antriebsstrang (-64%). Davon entfallen rund 35 Mrd. Euro auf die Zulieferer, was einem Rückgang von 80% entspricht. Deutsche Zulieferer sind damit die am stärksten betroffene Gruppe der gesamten Untersuchung.

Was misst die Studie eigentlich, und was nicht?

Betrachtet wird ausschließlich die produktionsbezogene Wertschöpfung im Antriebsstrang über 54 Wertschöpfungsmodule, also Komponentenfertigung plus Einbau. Forschung und Entwicklung, Zentralfunktionen und alle Fahrzeugbereiche außerhalb des Antriebsstrangs bleiben außen vor. Der Antriebsstrang macht bei Verbrennern rund 25% der Fahrzeug-Wertschöpfung aus, bei batterieelektrischen Fahrzeugen rund 40%.

Die Einordnung hinter den Zahlen.

Was in der Autoindustrie wirklich passiert. Jeden Sonntag, in 5 Minuten.

40.000+ Leser aus VW, Mercedes & BYD.

Kein Spam · DSGVO-konform · Abmeldung mit 1 Klick. Datenschutz.